Autor: markus

5 Anzeichen, dass in deinem Leben ein Präsenzmangel besteht

Präsenzmangel? Was soll das denn schon wieder sein? Kurzfassung: Zu wenig erleben, zu viel denken. Langfassung und Symptome liest du hier.

Ich denke, also bin ich. Wissen ist Macht. Ach wie gut, dass wir rechtzeitig smart geworden und das Internet erfunden haben, sonst hätten wir in der Pandemie ja gar nicht arbeiten oder uns virtuell daten können, furchtbare Vorstellung. Wir Menschen sind vergleichsweise helle Köpfchen und darauf legen wir insbesondere in unserer Gesellschaft großen Wert. Wir schämen uns für dumme Fragen oder Rechtschreibfehler (als wäre an der deutschen Rechtschreibung irgendetwas genial) und drehen durch, wenn wir für etwas keine Erklärung haben. Wir vertrauen lieber Uhren und Smartwatches als unserem Zeit-, Müdigkeits- oder Hungergefühl und sobald wir nicht wissen, sondern nur eine Intuition haben, sind wir ratlos, unsicher und fürchten uns, Entscheidungen zu treffen.

Wir sind mehr als denkende Wesen

Doch unsere Fähigkeit, zu denken und den Zusammenhang zwischen einem fliegenden Blatt und Wind zu sehen, ist nicht alles, was uns ausmacht. Sie ist eine Eigenschaft wie die zum Graben geeigneten Vorderläufe des Maulwurfes: Hat sich als evolutionärer Vorteil erwiesen, deshalb noch da. Aber da ist eben auch noch mehr. Und das drohen wir zu vernachlässigen, wenn wir uns zu sehr auf das Denken und Geistig-Abstrakte fokussieren. Im schlimmsten Fall mit gravierenden Auswirkungen auf unsere (psychische) Gesundheit. Denn was wir bei all der Begeisterung über unsere kognitiven Fähigkeiten manchmal vergessen: Jeder unserer Gedanken ist an unseren Körper gebunden. Ohne einen lebendigen, menschlichen Organismus kein (echter) Kommentar unter einem Instagram-Post. Und als körperliche Einheit brauchen wir nicht nur Apfelsaftschorle, Kartoffelgratin und Schlaf, sondern auch Präsenzerleben. Das heißt Nähe, Unmittelbarkeit und das Spüren des Moments.

Zu viel „Sinn“ und zu wenig Präsenz kann uns krank machen

„Präsenzerleben entsteht durch das metabolische Verhältnis zur Welt.“, erklärt der Psychologe Dr. Karsten Wolf von der Libermenta Klinik Schloss Gracht. „Über den Körper erlebe ich etwas oder spüre einen anderen Menschen und erfahre Resonanz.“ Basierend auf der Philosophie von Hans-Ulrich Gumbrecht („Diesseits der Hermeneutik“) bietet Karsten Wolf an seiner Station eine Präsenztherapie an, eine moderne Therapieform, die bei psychischen Störungen wie Depression oder Angststörung helfen oder derartigen Störungen vorbeugen kann.

In Momenten des Präsenzerlebens treten unsere Gedanken in den Hintergrund und wir kommen in einen Flowzustand. Wenn wir zum Beispiel mitgerissen werden von der Stimmung bei einem Festival. Oder in der Gesellschaft von Freund:innen die Zeit vergessen und plötzlich feststellen, dass wir die letzten im Restaurant sind. Oder wenn wir beim Joggen all unsere Sorgen hinter uns lassen. Oder die Sonne auf unserer Haut spüren, das Meer rauschen hören, Salz in der Luft riechen und nichts denken außer „hmmmm …“. Solche Momente brauchen wir in unserem Leben, um gesund zu bleiben. Um einen Ausgleich und Gegengewicht zu haben zu der Gedankenwelt, in der wir uns ständig befinden. In der wir planen, To-Dos abhaken, nach Gründen suchen und mit dem Schlimmsten rechnen. Und um Erinnerungen zu schaffen.

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